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Zu Besuch bei: Stephan

By Februar 1, 2018 No Comments

Unglaublich, was für wunderschöne Wohnviertel wir hier im Ruhrgebiet haben! Oft genau da, wo man nicht damit rechnet. Zum Beispiel in Oberhausen.

Zwischen Gasometer und Schloss, liegt – verkehrsumtost und doch irgendwie verwunschen – ein tolles Viertel. Mittendrin wohnen Stephan und Michael im Erdgeschoss einer alten, denkmalgeschützten Villa. Vor sieben Jahren stand die Riesenwohnung zum Verkauf. Kleine Räume, unpraktische Aufteilung, offene Leitungen und eine olle Holzvertäfelung konnten die beiden nicht davon abhalten, sie zu erwerben und mit viel Geduld und Sorgfalt innerhalb eines Dreivierteljahres ihr persönliches Schmuckkästchen daraus zu machen. Was als Renovierung geplant war, entwickelte sich zu einer Grundsanierung …

Gefühlt ist die Wohnung eher ein Haus, denn sie hat einen eigenen Eingang und es gehört ein sehr großer Garten mit hohen, alten Bäumen dazu. Klein und verwinkelt ist in der Wohnung nichts mehr, im Gegenteil, sie wirkt sehr hell und großzügig. Die Übergänge zwischen Flur, Küche, Ess- und Wohnraum sind fließend. Und überall an den Wänden hängen Fotos, große Fotos, meist auf Alu Dibond. Während ich so leise denke „wow“, erklärt Stephan schon: „Die hab ich alle gemacht.“ „Wow“, entfährt es mir da auch laut. Denn die Bilder sind absolut professionell. Was kein Wunder ist, schließlich ist Stephan von Beruf Grafiker und Fotograf. Nach vielen Jahren in Agenturen im Ruhrgebiet und in Hamburg arbeitet er jetzt vom Home Office aus selbstständig, und zwar sowohl als Fotograf als auch als Full-Service-Werbeagentur (zu seiner Website geht es hier). Bei einigen seiner Agenturjobs kam er viel in der Welt herum und hat immer wieder an Fotoshootings teilgenommen. Irgendwann juckte es ihn in den Fingern, bis er schließlich immer öfter seine eigene Kamera mitnahm und sein Können nach und nach derart verfeinert hat, dass er nun schon lange selbst profimäßig unterwegs ist. Ein paar Beispiele: die Loveparade damals in Essen, fotografiert von einem Kran aus; ein Flusslauf, aufgenommen aus der Gondel hoch zum Matterhorn; ein Riesenfoto von Lanzarote, Sterne bei Vollmond auf Ibiza (mit fast 30-minütiger Belichtung), Mallorca, Dubai, Marrakesch – ihr merkt es schon, der Mann ist wirklich weitgereist, die Kamera immer im Gepäck.

Stephan startet die Führung durch die Wohnung in ihrem Zentrum, dem weitläufigen Wohn-Ess-Zimmer. Überm Sofa wird geröhrt: Hier hängen mehrere veritable Hirschköpfe. Es ging los mit einem aus Plüsch, dann kam der kleine weiße dazu, dann einer von Steiff und schließlich der riesige „echte“, wie sich das gehört, auf eine Holzplatte genagelt. Zu Lebzeiten wohnte das Tier übrigens direkt um die Ecke, im Oberhausener Kaisergarten. Das Besondere: sein asymmetrisches Geweih! „Der Kerl ist eines natürlichen Todes gestorben“, versichert Stephan, der wohl merkt, dass ich ein bisschen sparsam aus der Wäsche gucke. Die schön-schlichte Couch darunter ist übrigens von COR und war das erste Möbelstück, das Stephan und Michael zusammen ausgesucht haben.

Die Möbel in dieser XXL-Altbauwohnung sind samt und sonders von namhaften Designern und strahlen kühle Sachlichkeit und gediegene Eleganz aus. Dass das Zuhause der beiden trotzdem nicht aussieht wie aus einem sterilen Interiorkatalog, verdankt sich vor allem den vielen liebenswerten Kleinigkeiten, die überall verteilt sind und so eine dezent-humorvolle Atmosphäre schaffen. Zu den Hirschen gesellt sich hier ein Schweinehinterteil, ein Ensemble von Winke-Queen mit edlem Porzellan, Setzkästen mit Shaun-das-Schaf-Motiven und nicht zuletzt eine wachsende Häkeltiersammlung. Zuerst war es nur ein Pinguin, dann wuchs das Rudel u.a. um Kraki aus Norderney und einen zauberhaften quietschblauen Dackel, auf den ich ein bisschen neidisch bin.

Zum Schluss geht’s noch ins Allerheiligste, in Stephans Arbeitszimmer. Hier gestaltet er im Kundenauftrag in seiner Werbeagentur zweitausend13 alles vom Kundenmailing über Anzeigen bis hin zu ganzen Webseiten. Auch in diesem Raum wieder diese sympathische Mischung aus funktionalem Design und Verspieltheit, die für die Wohnung so typisch ist. Genau das macht wohl Individualität aus, dass man es schafft, Dinge so einzusetzen, dass eine bestimmte Atmosphäre entsteht, Altes mit Neuem und Kostbares mit Kitsch zu kombinieren und dabei der eigenen Seele Ausdruck zu verleihen (ich möchte hier das Augenmerk auf Kraki wenden, der im Hintergrund auf der Sofalehne hockt).