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Zu Besuch bei Christoph Platz im Künstlerloft in Herne

By Dezember 6, 2017 No Comments

„Ich wollte immer eine Wohnung, in der die Wände aus Scheiben bestehen“, schwärmt Christoph Platz. Als sich ihm und seiner Familie 2008 die Gelegenheit bot, die verglasten Räume einer ehemaligen Druckerei zu beziehen, gab’s kein Zögern. Nun wohnt der Künstler mit seinen beiden Söhnen auf über 160 Quadratmetern mit Loftcharakter – Platz ohne Ende und jede Menge Durchblicke.

Früher, in den 50er/60er Jahren, wurden hier mal diese kleinen, bunten Glanzbildchen gedruckt, mit Glitzer und so. Mit ihnen und der Druckerei ging’s irgendwann gleichermaßen bergab. Was blieb, waren solide Räume mit dicken, hohen Decken (schließlich standen hier schwere Druckmaschinen), vielen Fenstern nach außen und ganz viel Glas zwischen den Räumen. Ein Kleinod mitten in Wanne-Eickel!

An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass Christoph Bildhauer ist (hiergeht’s zu seiner Website), also jemand, der schon von Berufs wegen ein besonderes Verhältnis zum Raum als solchem hat. Geht ihm diese Durchsichtigkeit durch alle Räume nicht auf den Geist? „Nein, absolut nicht, ich genieße das nach wie vor.“ Nur die Wände zum Kinderzimmer sind aus nachvollziehbaren Gründen verkleidet.

Dass hier ein Künstler maßgeblich die Gestaltung und Einrichtung übernommen hat, sieht man auf Schritt und Tritt und in jedem Detail. Zum Beispiel bei dem Rot der Stirnwand im Hauptraum, das sich in den Deckenbalken in der ganzen Wohnung fortsetzt und so eine optische Verbindung zwischen allen Räumen herstellt.

Die 60er-Jahre-Sofagarnitur ist übrigens original von Christophs Eltern, der Fernsehsessel von seinem Großvater. „Den wollte ich eigentlich gar nicht haben, aber nachdem mein Opa gestorben war, haben sie mir den einfach vor die Tür gestellt. Jetzt bin ich superfroh, dass ich ihn habe“, gesteht er. Er ließ alle Polster mit blauem Samt beziehen, und schwups, fertig war die kleine Mid-Century-Oase. Vor der roten Wand ein Knaller! Und dann noch die leuchtenden Sonnenblumen dazu …

Im größten Zimmer der Wohnung spielt sich auch der Großteil des Familienlebens ab. Wie schön, wenn man im selben Raum kochen, essen, quatschen, spielen, musizieren und lesen kann! Viele Möbel hat Christoph selbst gebaut bzw. sind nach seinen Entwürfen gebaut worden, zum Beispiel das lange Regal, die Stühle und verschiedene Tischchen. Sein erstes Werk war der Couchtisch, der in seinem Inneren einen skelettierten Reiherschädel beherbergt. Tante Elli würde bei dem Anblick vermutlich der Kaffee überschwappen, aber ich hab mal wieder gemerkt, dass ich eine Antenne für alles Schräge habe …

Fehlt nur noch was in Grün. Da muss man nicht lange suchen, sondern nur den Blick in Richtung Küchenecke wenden. Dunkelgrüne Unterschränke hatte ich bis dato noch nie gesehen und frage mich jetzt, wieso eigentlich nicht? Sieht einfach super aus! Meine nächste Küche wird dunkelgrün! Christophs Küche ist für meinen Geschmack genau die richtige Mischung zwischen schick, funktional und gemütlich. Offene Regale, ein gut gefülltes Gewürzschränkchen, ein großer Kühlschrank und eine Kochinsel mit jeder Menge Stauraum. Hier kocht er „immer ohne Kochbuch. Ich kaufe ein und mache dann aus den Zutaten und allem, was ich noch da habe, irgendwas“. Improvisationstalent hat er jedenfalls!

Was man überall in der Wohnung findet, sind kleinere oder größere asiatische Gegenstände. Kein Wunder, denn Christoph hat mit seiner Frau mehrmals für ein paar Monate in Japan gelebt. Von dort hat er nicht nur einen wunderschönen Schrank mitgebracht, sondern auch köstlichen grünen Tee, der wirklich mit dem, den man hierzulande so kaufen kann, nichts gemein hat. Aus dem original-japanischen Teegeschirr schmeckt er gleich nochmal besser.