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Tag

interview

Arnessa Sismann

Arnessa Sisman
Traumgebiet

Stahl, Beton, Techno

In Essen, ein paar Laufminuten vom Rüttenscheider Stern entfernt, befindet sich ein Club der ganz besonderen Art: 1,40 Meter dick sind die Stahlbeton-Wände des Goethebunkers, der nun seit mehr als 5 Jahren für die Essener Nachtschwärmer eine wohl bekannte Adresse ist. Seit über einem halben Jahr liegt die Verantwortung für dieses alte Nachkriegsmonument bei Arnessa Sisman, einer jungen Essenerin, die schon lange vor ihrer Übernahme des Goethebunkers hinter dessen Tresen stand. Und sie hat eine Menge getan, um ihren Bunker in einem zeitlosen Glanz erstrahlen zu lassen. Eine Erfolgsgeschichte mit Schildkröteneiern, Horrorfilm-Ambiente und einer Frau, die gerne Pferde sägt.
Was waren Deine Vorstellungen und Träume, als Du den Bunker übernommen hast?
Ich glaube es gab nicht wirklich die Zeit, um irgendwelche Vorstellungen oder Träume zu haben. Es kam von heute auf morgen, ich musste mich um so vieles kümmern, teilweise habe ich mich wie Asterix gefühlt. Ständig von A nach B rennen, Konzessionen mussten eingeholt, seitenlange Formulare bearbeitet werden. Streichen, alte Fliesen kaputt machen und neue Fliesen verlegen. Das Kaputtmachen hat sehr Spaß gemacht, da konnte ich den ganzen anfallenden Stress ein wenig entladen. Den Putz von den Wänden zu hauen hat eine ganze Woche meines Lebens gekostet und mir nebenbei noch eine Menge Muckis beschert.
Was kann man als Besucher des Goethebunkers erwarten?
Das ist eine schwierige Frage, ich selbst habe mit gar nichts gerechnet, als ich vor vielen Jahren das erste Mal selbst im Bunker war. Es ist definitiv all die Jahre mein Lieblingsladen geblieben, egal wo ich unterwegs war und bin letztendlich immer wieder zum Bunker zurückgekehrt. Ich mag die Leute, die Stammkundschaft und den Laden an sich.
Was ist das für ein Gefühl, wenn Du Deinen Laden aufschließt und das Licht anmachst?
Es kommt auf die Uhrzeit an. Abends ist es manchmal ein bisschen unheimlich, das mag auch definitiv mit der Geschichte zusammenhängen. In der oberen Etage finden sich noch die alten Kommunikationskabinen und der Flur erinnert wirklich original an die Hotelgänge von Stanley Kubricks "Shining".
Gibt es etwas, dass Du anderen Jungunternehmern ans Herz legen würdest?
Nicht zuviel überlegen! Sonst macht man es nicht. Ich bin froh, dass das alles von heute auf morgen passiert ist, sonst hätte ich mich vielleicht gar nicht bereit dafür gefühlt.
Du arbeitest viel bei Nacht. Vermisst Du den Tag?
Ich wusste schon immer, dass ich niemals einen Job haben werde, bei dem ich morgens um acht im Büro sein muss und um fünf Uhr nachmittags Feierabend mache. Es war mir immer wichtig, auch Zeit für die Sachen zu haben, die ich wirklich gerne mache, zum Beispiel nähen und fotografieren. Und selbst wenn ich nur zuhause sitze und an einer Collage bastle ist mir das lieber als ein klassischer Bürojob. Jetzt im Winter vermisse ich den Tag natürlich, selbst das wenige Licht sehe ich momentan eher weniger.
Gibt es im Zusammenhang mit dem Bunker und Deinem Geschäft etwas, worauf Du besonders stolz bist?
Ein Stammkunde hat zu mir gesagt: "Arnesa, Du hast es genau richtig gemacht. Du hast das Gute des Bunkers bewahrt und verbessert, was noch verbesserungswürdig war." Da war ich wirklich stolz! Es sind die Kleinigkeiten, die mir ein gutes Gefühl geben, zum Beispiel wenn ich vor einer Wand stehe und mir sagen kann: "Diese Wand habe ich ganz alleine gestrichen." Und natürlich das Pferd, unsere Projektionsleinwand, die wir mit einer Stichsäge und einigen Mühen selbst ausgeschnitten haben.
Was bewegt Dein Leben privat und was musste seit dem Bunker dafür auf der Strecke bleiben?
Ich mache viel im kreativen Bereich, zum Glück alles Dinge, die ich mir sehr gut frei einteilen kann. Aber ich hätte wirklich gerne mehr Zeit, zum Beispiel für mein Patenkind oder auch zum Reisen.
Wovon träumt eine Arnesa Siman jetzt?
Von Schildkröten. Ich wollte schon immer bei einer Organisation mitwirken, die Schildkröten hilft und ihre Eier an sicheren Stränden einbuddelt. Schildkröten mochte ich irgendwie schon immer. Wenn die keine Lust mehr haben, ziehen die sich einfach in ihren Panzer zurück.
Fotos: Alexandre Kurek
Zur Bunker Website

White Unicorn

White Unicorn
Cosplay

Animiertes Straßentheater

Wir steigen in Bochum Langendreer-West aus der S1 aus. Der Himmel ist bewölkt und wir kommen in eine graue Wohnsiedlung aus mehrstöckigen Zechenhäusern. Hier besuchen wir "White Unicorn", eine 29-jährige Cosplayerin und Veranstaltungskauffrau, die uns verkleidet als "Priscilla die Spinnenkönigin" die Tür öffnet. Jetzt sitzen wir in einer bunt dekorierten Wohnung voller Comics, Animes, Videospiele und Fanartikel. Wir trinken eine warme Tasse marokkanischen Minztee...
Cosplayer ?
Das Wort kommt von Costume Playing.
Woher kommt der Name White Unicorn ?
Ich mag Das letzte Einhorn. Das ist mein Lieblingsfilm, jeder Cosplayer hat einen Spitznamen.
Wie bist du Cosplayerin geworden ?
Schon in meiner Kindheit bin ich gerne zum Fasching gegangen. Jahrelang war ich auf dem Kölner Karneval. Das fand ich auch richtig toll, denn da wurden die Kostüme auch prämiert. Meine erste Verkleidung war Robin Hood, der Fuchs aus dem Anime und seit 2004 bin ich richtig in der Cosplayer-Szene aktiv.
Seht ihr euch als Subkultur ?
Ich seh mich als Nerd, Geek und als Otaku.
Was?
Ein Otaku ist ein Manga Freak, er kennt sich komplett aus in einem Universum,
zum Beispiel bei Dragonball. Das sind Leute, die wissen, was warum und wie auf Seite 5 in Band 18 passiert ist. Kurz gesagt: fanatische Fans. Früher hätte ich mal gesagt, ich bin ein Otaku.
Erzähl mal was über die Kostüme, machst du sie selber ?
Ja ich nähe selbst, ich hab ein- oder zweimal Kostüme fertig gekauft, aber da hat man immer schnell ein schlechtes Gewissen, wenn man Lorbeeren für etwas erntet, was man selbst nicht angefertigt hat. Als Anfänger ist das okay, aber später wird`s peinlich. Im Prinzip mach ich alles selber soweit es geht. Ein Kostüm kostet bei mir im Durchschnitt 150-200 Euro. Es ist schon etwas teurer, da man die Stoffe einzeln kauft, die auch mal bis zu 20 Euro pro Meter kosten können. Dazu noch Schuhe, Perücken, Make up, Accessoirs etc.
Was macht ein Cosplayer ?
Sammeln, sich mit Freunden treffen und Kostüme anfertigen.
Der Lebenslauf eines Cosplayers besteht am Anfang aus vielen Conventions, bis man irgendwann selber Pro ist und dann den Anfängern helfen kann. Ich greife auch öfters Freunden unter die Arme, die noch nicht so viel Erfahrung im Schneidern und Basteln haben. Es geht darum, Sachen die ich schön finde, die ich im normalen Leben nicht anziehen könnte, auf einer anderen Bühne zu präsentieren und Spaß mit gleichgesinnten Leuten zu haben.
Was macht man auf Conventions?
Auf Conventions werden hauptsächlich Fotos gemacht, Fashion Contests,Workshops.
Die DoKumi in Düsseldorf ist ganz vorne mit dabei bei den Conventions in Deutschland. Es gibt keine Covention ohne Contest, sogar bei den einmal im Monat stattfindenden Dojakus im Fritz Henßler Haus in Dortmund.
Bereitest du dich auf Conventions vor ?
Ja sicher, Charakterstudien sind gerade für die Kostümierung nachher enorm wichtig. Ich habe zu allen meinen Figuren, die ich trage, auch das komplettte Hintergrundwissen. Direkt vor den Conventions bereite ich mich vor, indem ich die wichtigsten Posen der Charaktere durchgehe. Die müssen einfach sitzen.
Hast du schon mal einen Contest gewonnen ?
Ich war schon zweimal im Finale, einmal mit Juliet aus dem Yaoi Dating Game und ein weiteres Mal mit Ayanami Rei aus Neon Genisis und mit Son Gohan habe ich eine Wii gewonnen, als der Sender Fox zum Start des Dragonball Films die besten DB Cosplayer gesucht hat. Das hat ganz viel mit dem Niveau des Nähens zu tun, die DCM bewertet die Kostüme nach Qualität und umso bombastischer desto besser.
Siehst du dich in einem Konkurrenzkampf ?
Jein, ich bin ehrgeizig und möchte, wenn ich bei einer Con mitmache, schon gern unter die Top 10 kommen und umso bekannter der Wettbewerb desto üblicher sind die Verdächtigen. Also, man trifft sich immer wieder, aber der sportliche Gedanke steht im Vordergrund.
Wie sieht es mit Trends in der Szene aus ?
Ja, alles was auf RTL 2 als Serie kommt, ist Mainstream und Trend, damit fangen die Leute halt auch an. Dann ist Assasins Creed im Moment überall beliebt, da demnächst das neue Spiel rauskommt.
Wie bist du zu den Figuren Gohan und der Spinnenkönigin gekommen ?
Ich mag diese kindlichen Charaktere. Die sind frisch, lustig und lebensfroh. Vielleicht deshalb, weil ich im realen Leben gar nicht so bin. Das macht einfach Spaß, da kann man verrückt sein, rumrennen, sich auspowern und ich mag Dragon Ball schon immer. Son Gohan als Erwachsener ging schlecht, da ich keine Muskeln habe, außerdem ist der als Kind so putzig. Priscilla kommt vom MOBA (Multiplayer Online Battle Arena) League of Legends und ich wollte der Community mal zeigen, was man für coole Kostüme machen kann.
Hast du allgemein auch Interesse an asiatischer Kultur ?
Ich hab angepeilt nach Japan zu fliegen und auch einen Japanisch Kurs gemacht an der Volkshochschule. Aber ich glaub nicht, dass Japan das Traumland ist wie viele es sich vorstellen. Aber man beschäftigt sich gezwungenermaßen mit der Kultur, denn in den Mangas geht es ja genau darum.
Gibt es etwas, was du den Lesern sagen möchtest ?
Man muss Cosplay ausprobiert haben - wenigstens einmal!
Text: Davide Bierboms
Fotos: Jasper Bastian

Florian Kolominski

Florian Kolominski

Erfinder und Gründer von Ruhrgestalten

Ruhrgestalten wurde von mir 2009 als ein Semesterprojekt entwickelt und zwischen 2010 und 2012 in fünf Ausgaben mit Hilfe von Freunden in einer Kleinstauflage von 1.000 Exemplaren in Eigenregie Herausgegeben. Ich entwickelte zwei weitere Ausgaben für den Luups Verlag. Im Anschluß der 7 Ausgabe entschloss ich mich ende 2013 das Ruhrgestalten Magazin vorerst einzustellen.

Das Magazin entwickelte sich in einen Socialmedia- Kanal zu einem Newsfeedradio Format weiter. Seit 2019 erscheint zweijährig der Englischsprachige Cityguide mit dem Titel „Konter“.

Für 2022 wird es einige Neuerungen und Updates geben. Unter anderem wird es eine Monatliche Veranstaltungsreihe und ein Monatlich erscheinendes ART-SHIRT geben welche mit ganz unterschiedlichen Kreativen und in Kooperation mit dem Textilstudio „Stice“ aus Bochum entwickelt werden.

Es lohnt sich also durchaus ruhrgestalten weiter auf dem Schirm zu haben.

Florian Kolominski ist Artdirektor und Konzepter mit Sitz im Ruhrgebiet.

Der Fokus seiner Arbeit liegt im Bereich der Analogen und Digitalen Visualisierung von Erscheinungsbildern.