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Landschaftspark Duisburg-Nord

By Juni 21, 2017 No Comments

Sommer, Sonne, Landschaftspark
„Back to the roots“ und das in mehrfachem Sinne

Landschaftspark Duisburg-Nord

Emscherstraße 71

47137 Duisburg

 

Juhu, die Sonne scheint! Ach herrjeh, ist das warm!
Was bietet sich da Besseres an, als ein ausgedehnter Ausflug in die üppig sprießende Sommernatur des Ruhrgebiets? Wir würden den Besuch einer der überzeugenden Lösungen des Ruhrgebiets im Umgang mit dem industriellen Erbe vorschlagen – und zwar den Landschaftspark Duisburg-Nord.

Nachdem ThyssenKrupp 1985 die Stahlproduktionsstätten endgültig in modernere Werke am Rhein verlegt hatte, sahen sich Landesverwaltung und Stadtplaner mit der stets über den Hinterlassenschaften der boomenden Ruhrgebiets-Industrie des 20. Jahrhunderts schwebenden Frage konfrontiert: Was tun mit dem, was übrig bleibt? Die Freigabe eines Grundstücks mit fragwürdiger Bodenbelastung zur Bebauung mit schnuckeligen Einfamilienhäusern verbietet sich von selbst und 128 Meter hohe Abraumhalden lassen sich nur bedingt übersehen. Anstatt das industrielle Erbe der Region zu überdecken, entschied man sich dazu, den einstigen Schauplatz schwerer körperlicher Arbeit, deren eigentliche Bedingungen wahrscheinlich jenseits aller in Geschichtsbüchern vermittelten Malocher-Romantik zu verorten waren, der Bevölkerung als Naherholungsgebiet und Landmarke zurückzugeben.

Am ehemaligen Standort des Hüttenwerks in Duisburg-Meiderich wurde ein ungefähr 180 ha großer öffentlicher Park geschaffen, der nicht nur auf die Industriegeschichte des Ruhrgebiets verweist, sondern dem es auch gelingt, auf die Zeit vor der Industrialisierung zu verweisen. Erste Anzeichen einer Besiedelung lassen sich auf 80000 v.Chr. datieren und aufgrund des milden Klimas und der fruchtbaren Böden wurde die Region agrarwirtschaftlich genutzt und diente als Umschlagplatz unterschiedlicher Handelsgüter.

Unter den Vorschlägen des ausgeschriebenen Bewerbungsverfahrens konnte sich 1991 der Plan des Landschaftsarchitekten Latz+Partner durchsetzen, da dieser vorsah, einen Umgang mit dem Status Quo zu entwickeln anstatt zu versuchen, diesen kurzfristig rückgängig zu machen. Auf dem Gelände des mehrfach ausgezeichneten Landschaftsparks ist seitdem ein einmaliges Beispiel für das komplexe Zusammenspiel von menschlich gestalteter Landschaft und (wieder-)eintretender Natur entstanden. Durch Gärten, Terrassen und Hinweisschilder verbunden kann der Besucher die verschiedenen Stadien der Rückeroberung durch die Natur beobachten – vom ersten Auftauchen zarter Kräuter (den sogenannten Pionierpflanzen) bis zur Entwicklung dichten Buschwerks. Der langsame Heilungsprozess wird durch Gärtner und Wissenschaftler der biologischen Station westliches Ruhrgebiet begleitet und dokumentiert.

Natürlich wurde trotz der Fokussierung auf das Thema Natur auch an den Spaßfaktor gedacht. Wer sich nicht damit begnügen möchte, den Weidenröschen beim Wachsen zuzusehen, der kann im Landschaftspark einiges erleben. Die ehemaligen Industriegebäude wurden nicht einfach abgerissen oder dem Verfall anheimgegeben. Der alte Gasometer dient mittlerweile als Europas größtes künstlich erschaffenes Tauchzentrum, die Lagerhallen und die Gießerei wurden beispielsweise zum  alpinen Kletterparcours und Hochseilgarten umfunktioniert. Neben diesen Stätten körperlicher Ertüchtigung wurden andere Gebäude zu Mehrzweck-Veranstaltungsorten umgebaut. So dient der Landschaftspark etwa während der ExtraSchicht als Location für Theateraufführungen, Konzerte oder das Sommerkino.

Da es sich um einen öffentlichen Park handelt, ist der Eintritt zum Gelände natürlich frei – da freut sich der Geldbeutel – und der Zutritt ist nicht zeitlich begrenzt. Und gerade bei Einbruch der Dämmerung entwickelt der Park, dank der Lichtinstallationen von Jonathan Park, einen ganz eigenen Zauber. Blickt man dann von einer der 70 Aussichtplattformen über die nächtliche Landschaft und hat die richtige Person an seiner Seite…

Aber ich komme in’s Plaudern. Fahrt doch hin und überzeugt euch selbst!