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„Josef Albers. Interaction“: große Werkschau in Essen

By Juni 7, 2018 No Comments

Die erste große Werkschau des Künstlers
seit mehr als 30 Jahren.

Öffnungszeiten:
Josef Albers. Interaction

 

16. Juni – 7. Oktober 2018

Dienstag bis Sonntag: 10–18 Uhr

 

Villa Hügel – Hügel 1

45133 Essen

Vom 16. Juni bis zum 7. Oktober 2018 wird in der Villa Hügel in Essen die Ausstellung „Josef Albers. Interaction“ gezeigt. Es handelt sich um die erste große Werkschau des Künstlers seit mehr als 30 Jahren.

Für viele Menschen ist Josef Albers, der 1888 in Bottrop geboren wurde, der Mann mit dem Quadrat. Zweifelsohne stellt die Werkreihe „Homage to the Square“ mit ihren mehr als 2000 Arbeiten einen bedeutenden Abschnitt sowohl im Leben des Künstlers als auch in der Kunstgeschichte dar. Jedoch widmete sich Albers jenen „Tabletts, auf denen Farbe serviert wird“ erst ab 1950. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 62 Jahre alt und konnte auf ein wirkungsreiches Leben als Künstler und Dozent zurückblicken. Daher soll in Essen mit einer imposanten Auswahl von rund 170 Exponaten wieder ein ganzheitlicher Blick auf den Künstler ermöglicht werden.

Die Ausstellung beginnt mit Albers‘ Zeit am Bauhaus in Weimar, wo er 1920 als Schüler eintrat und sich dort dem Wiederaufbau der brachliegenden Werkstatt für Glasmalerei widmete. Mit diesem Medium setzt er sich bereits seit 1917 auseinander, und bevorzugte Glas auch nach dem Umzug der Schule nach Dessau. Neben seinen bedeutenden Glasarbeiten sind ausgewählte Möbel ebenfalls in Essen zu sehen. Durch den Verzicht auf Ornamentik, den Fokus auf formalistische Strukturen und einen sparsamen Einsatz der Mittel wird bereits hier eine Verbindung zum späteren Werk deutlich.

Bis zur Schließung des Bauhaus 1933 unter dem politischen Druck der Nationalsozialisten war Albers dort tätig – zuletzt in Berlin. Anschließend emigrierte er im selben Jahr mit seiner Frau Anni in die USA, wo beide auf Empfehlung von Architekt Philip Johnson an das Black Mountain College in North Carolina berufen wurden, das sich schnell zur führenden Institution für eine neue künstlerische Ausbildung entwickeln sollte. Albers avancierte in kurzer Zeit zu einem der einflussreichsten Kunstlehrer in Amerika; gleichzeitig erreichten seine Experimente mit Malerei und Grafik einen Höhepunkt. Die Werke aus dieser Zeit sind geprägt durch ein Spiel mit Geometrie und Perspektive sowie durch den Einsatz von reinen und unvermischten Farben. Letzteres zeichnet insbesondere die Serie „Adobes“ aus, die ab 1947 entstanden ist und die „Homages“ vorwegnimmt: durch den Fokus auf eine konstante Form und einer mehr oder weniger radikalen Farbveränderung von Bild zu Bild. Eine wichtige Inspirationsquelle stellt dabei die präkolumbische Kunst dar, mit der Anni und Josef Albers während ihrer zahlreichen Aufenthalte in Mexiko in Berührung gekommen sind.

1950 zog es Albers schließlich nach New Haven, wo er Direktor der Designabteilung der Yale University wurde. Bis zu seinem Tod 1976 beschäftigte ihn nun die Arbeit an seiner berühmten Werkreihe „Homage to the Square“, die in der Villa Hügel dank einer spektakulären Auswahl großformatiger Gemälde aus den USA, Deutschland und der Schweiz repräsentativ vertreten ist. Besucher können den „Homages“ in der großen Bildergalerie des Hauses begegnen. Darüber hinaus werden das erste als auch das letzte vor Albers‘ Tod vollendete „Homage to the Square“ gezeigt. „Selten zuvor hatte ein weltlicher Maler sein Ich und seine eigene Psyche so völlig zurückgenommen und sich derart rigoros auf die Wiederholung eines Themas im Dienste einer einzigen Idee eingelassen“, so Nicholas Fox Weber, Leiter der Josef und Anni Albers Foundation, zu der letzten Werkschau 1988. Der Einfluss dieses konsequent verfolgten Ansatzes wird in Essen aufgezeigt, indem die Ausstellung durch drei Werke der Minimal Art ergänzt wird.

Die Faszination der „Homages“ liegt in der ‚Verwandlung‘ von Farbe in Atmosphäre und Stimmung. Sie können sogar eine magische und metaphysische Wirkung entfalten. Diesen Effekt machte sich Albers bereits bei frühen Glasarbeiten vor seiner Bauhaus-Zeit zunutze – zum Beispiel für ein Fenster der Bottroper Kirche St. Michael. Diese geistig-spirituelle Dimension seiner Arbeit wird in der Ausstellung ebenfalls beleuchtet. Die besondere Wirkung war jedoch stets das Ergebnis präziser Arbeit mit fast wissenschaftlicher Methodik. Albers betonte immer die Bedeutung der Technik als Voraussetzung für die eigene künstlerische Arbeit. Zudem vermerkte er auf der Rückseite der „Homages“ die Herstellerangaben zu den Farben, die direkt aus der Tube aufgetragen wurden. Diese Bilder, die auch als ein Symbol für Bescheidenheit und Sorgfalt stehen, können durch den Kontrast mit der großbürgerlichen Opulenz der Villa Hügel ihre besondere Wirkung aufs Neue entfalten.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag der Buchhandlung Walther König und vom 9. Juni bis zum 9. September 2018 zeigt die Kunstsammlung NRW Düsseldorf K20 die Schau „Anni Albers“. Ein gemeinsames Begleitprogramm mit Vorträgen findet in Essen und Düsseldorf statt.