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Johan Simons – wird 2018 der neue Intendant des Schauspielhaus Bochum

By September 28, 2017 No Comments

Momentan sind Sie künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale. Mitte August beginnt Ihre letzte Saison. Wo liegen die Schwerpunkte des Programms für 2017?

JS: Wie werden unsere Vorstellungen einer zukünftigen Welt fokussieren. Was sind unsere Visionen für die Zukunft, unser Utopia oder Dystopia? In diesem Zusammenhang werden wir die Weltpremiere einer neuen Oper vorstellen, die auf dem Text „Kein Licht“ der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek basiert. Wir werden zwei Trilogien, die wir vor zwei Jahren begonnen haben, zum Abschluss bringen: Eine durch Dantes „Göttliche Komödie“ inspirierte und vom amerikanischen Choreografen Richard Siegal inszenierte Tanzperformance sowie einen elfstündigen Theater-Marathon unter der Regie Luk Percevals, der auf Erzählungen Émile Zolas basiert. Wir werden „Pellás und Mélisande zeigen, das als eine der ersten Opern der Moderne gilt. Barbara Hannigan ist Mélisande. Wir werden elektronische Pop Musik mit mehreren Konzerten, etwa mit Nicolas Jaar, SOHN oder Arca zelebrieren. Und ich selbst werde eine musikalische Theater-Adaption von Don DeLillos großartiger Novelle „Cosmopolis“ inszenieren. Nur um einige der Highlights unseres sechswöchigen Festivals zu nennen, das durch seine postindustriellen Spielorte so unvergleichlich ist.


Sie werden danach für das Schauspielhaus Bochum arbeiten. Was hält Sie im Ruhrgebiet?

JS: Zunächst einmal sind die Menschen in der Region nicht nur sehr ehrlich, bodenständig und warmherzig – dafür sind sie ja allgemein bekannt und das entspricht auch der Wahrheit – darüber hinaus sind sie aber auch sehr neugierig und sehr weltoffen. Das Ruhrgebiet besitzt eine lange Tradition von Immigration und kultureller Verschmelzung. Ich denke, das macht es zu einer Art Modellbeispiel für Europa. Und natürlich ist das Schauspielhaus Bochum selbst ein einzigartiges Theater. Die Hauptbühne ist eine der schönsten, die ich jemals gesehen habe. Als ich noch Student an der Schauspielschule war bin ich nach Bochum gefahren, um dort legendäre Aufführungen anzuschauen. Das war damals ein berühmter Ort. Die Chance zu bekommen, an ebendieses Theater zurückzukehren, mein eigenes Ensemble aufzubauen und dort als Regisseur zu arbeiten, ist eine wirklich emotionale Erfahrung. Und eine große Herausforderung und ein Abenteuer! Genau das Richtige für einen 72jährigen! (lacht)


Ohne zu viel zu verraten: Was ist Ihre Vision für das Schauspielhaus Bochum?

JS: Das Schauspielhaus Bochum hat eine lange Tradition. In unserer ersten Spielzeit 2018/2019 werden wir das 100jährige Jubiläum feiern. Von Beginn an wurde es hochgelobt und gefeiert, vor allem in den 70ern und 80ern, als einige der aufregendsten Regisseure wie Peter Zadek oder Claus Peymann dort tätig waren. Seitdem war das Schauspielhaus Bochum  eine Legende innerhalb der  deutschsprachigen Theaterszene. Auf diesen großen Zeiten würde ich gern aufbauen. Ich möchte ein Ensemble mit einigen der besten Schauspieler/innen, die ich kenne, zusammenstellen und außerdem einige frische Talente nach Bochum bringen. Zusammen wollen wir ein starkes Theater zeigen, das relevante Geschichten erzählt. Und ich möchte das Repertoire erweitern: durch den Tanz, durch Konzerte – vielleicht auch durch Videokunst. Unterschiedliche Nationalitäten und künstlerische Bereiche sollen einander inspirieren. Ich möchte ein Theater ohne Grenzen schaffen – was meiner Meinung nach angesichts der aktuellen politischen Situation genau das Richtige ist: Menschen den Reichtum unserer so vielfältigen Welt zu zeigen.


Was ist neben der Jahrhunderthalle und dem Schauspielhaus Ihr liebster Ort in Bochum?

JS: Naja, wie ich schon erwähnt habe, ist das Schauspielhaus mein liebster Ort. Aber wenn ich noch etwas anderes erwähnen müsste, wäre das wahrscheinlich ein Café oder Restaurant. Davon gibt es einige in Bochum in denen ich schon mehrere Male war. Gute Küche (und Essen) ist neben dem Theater womöglich mein zweitliebstes Thema.