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Hallo : Jason Bartsch

By Dezember 5, 2017 No Comments

Jason Bartsch. Geboren 1994 in Solingen, dem kleinen Dorf neben der Stadt, wo mal ein Elefant aus einer Schwebebahn gefallen ist. Das in Lyrik zu verarbeiten ist nicht nur weit hergeholt, sondern wahr. Er war Postpoetry-Preisträger in der Kategorie Nachwuchslyriker 2012, Finalist der U-20-Meisterschaften und Halbfinalist der deutschsprachigen Meisterschaften 2013 im Poetry Slam. Für seine Gedichte war er nicht nur Preistrager des Treffens Junger Autoren 2013 & 2015 sondern auch 2014 auf der Longlist des internationalen New Voices Award der PEN. Jetzt ist er freiwillig nach Bochum gezogen, ja, ins Ruhrgebiet, von wo aus er, mittlerweile als amtierender NRW-Landesmeister, mit WortLautRuhr sämtliche Poetry Slams veranstaltet und moderiert.

Wie ist es dazu gekommen dass du Musik machst, was war der entscheidende Moment ?

Mit Musik habe ich schon sehr früh angefangen. Mein Vater hat als junger Mann mal in einer Metalband gespielt, beide meiner Elternteile haben Musik geliebt. Ich wollte schon als kleines Kind Klavier spielen, hatte dann auch mehrere Jahre russische Klavierschule und wollten dann mit Eintreten der Pubertät Gitarre spielen lernen, so wie sich das als rebellisches Pickelgesicht gehört. Dann habe ich lange in Bands gespielt – als ich dann mit Poetry Slam anfing, ist das zunächst in den Hintergrund gerückt. Aber mir war schnell klar, dass ich die beiden Sachen irgendwie wieder würde verbinden müssen: Texte und Musik.

 

Bei der großen Bandbreite an Musik: welche Genres, Subgenres oder Bands interessieren Dich persönlich und welche haben Dich im Bezug auf deine Musik inspiriert? 

Ich würde sagen, mein größtes Interesse liegt in modernem Pop und deutschsprachiger Musik. Ich halte Musik dann für relevant, wenn sie etwas zum Diskurs beiträgt und es vielleicht sogar schafft, die Wahrnehmungen seiner Hörerschaft zu verändern. Ich spreche dabei von Benjamin Clementine, Ja, Panik oder Tocotronic, die mich schon seit Ewigkeiten begleiten. Während ich an dem Album schrieb, habe ich mich aber auch sehr triebgesteuerten Sachen hingegeben. Das hat sich aber auch unglaublich richtig angefühlt, viel Fatoni und Grossstadtgeflüster zu hören oder zu entdecken, wie intelligent Deichkind eigentlich seine Songs schreibt.

 

Warum Rappst du über das Ruhrgebiet? Was verbindet dich mit dem Pott? 

Ich liebe das Ruhrgebiet. Ich bin gebürtiger Solinger und freiwillig nach Bochum gezogen, sobald ich mich von meinem Studium befreit hatte. Mein Vater kam aus Essen, er hat mich ständig mit ins Stadion nach Dortmund genommen und ich glaube – nicht nur aus politischen Gründen – an die Solidarität. Hier macht man die Sachen gemeinsam. Darin stecken schon die beiden wichtigsten Signalwörter für das Ruhrgebiet für mich: Machen und gemeinsam. Hier wird kein falsches Image aufgesetzt, hier ist man pur. Ich liebe es, hier zu wohnen, weil es unendlich viele und gleichzeitig keinen einzigen Grund dafür gibt.

 

Was sind deine Pläne? Ziele oder bislang größten Erfolge?

Mein Ziel ist es jetzt, das Album stark zu machen und ein bisschen auf Tour zu gehen. Meine Solo-Tour führt mich durch das halbe Land und ich bin gespannt, wo es danach hingeht. Vielleicht findet sich ja auch jemand, der Lust hat, mich da weitergehend zu unterstützen. Ansonsten, wie man im Pott halt sagt: Ma gucken, nä?