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Folkwang ist… Quartier Nord in Sichtweite des SANAA-Gebäudes

By November 16, 2017 No Comments

Eine Ex-Zeche als Hochschule

Adresse:
Folkwang Universität der Künste
Campus Welterbe Zollverein
Quartier Nord
Martin-Kremmer-Straße 21
45327 Essen

Wirklich? Eine Ex-Zeche als Hochschule?
Ja, genau. Und das kam so.

 

Zollverein machte sich strukturwandlerisch versiert auf, Museums-, Kreativwirtschafts- und Design-Stadt zu werden. Auf dem rund 100 ha großen Zollvereinsgelände, – was größer ist als Essens Innenstadt, hatte sich schon das ehemalige Kesselhaus unter fachkundiger Planung von Norman Foster in das heutige Red Dot Design-Museum verwandelt. „PACT“, für Performing Arts Choreographisches Zentrum NRW Tanzlandschaft Ruhr, war inzwischen auf Schacht 1/2/8 beheimatet.

Und in die ehemalige Kohlewäsche war das Ruhrmuseum eingezogen. Mit einem „Denkmalpfad“ quer durchs Gebäude auf der Fährte ehemaliger Kohleförderung. Schließlich setzte  das spektakuläre SANAA-Gebäude mit seinen 134 tanzenden Fensteröffnung in einem über dreißig Meter hohen Baukörper der beiden Japaner Kazuo Dejima und Ryue Nishizawa einen weiteren Höhepunkt direkt neben die Zufahrt zu Zollverein.

Wiederum Pause. Sie wissen schon, der Spannungsbogen braucht Raum und Zeit. Dann fahre ich fort: On top auf die bisher schon eindrückliche Entwicklung Zollvereins kam es am 26. Oktober 2017 zu einer sensationellen weiteren Ergänzung. Auf dem Welterbe Zollverein eröffnete das „Quartier Nord“. Feierlich, festlich. NRWs Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen war zu Gast.

Ob jetzt wohl die Nachfrage käme, wofür denn bitteschön „Quartier Nord“ eigentlich stünde?

Darauf hat der Fortgang meines Story-Tellings gewartet: „Quartier Nord“ ist ab sofort gut, besser, best für rund 500 Studierende, 70 Lehrende und weitere MitarbeiterInnen des Fachbereichs Gestaltung der Folkwang Universität der Künste. Denn für die angehenden FotografInnen, DesignerInnen, Kunst- und DesignwissenschaftlerInnen wurde auf Zollverein, Martin-Kremmer-Straße 21, zwei Jahre gebaut, was irre gut gebaut wurde. So viel Raum, so viel neueste Technik, so grandiose Ausstattung, so raffiniert erwirkt wurden Architektur und Atmosphäre. Zum Wohlfühlen rundum. Für Ästhetik, Forschung, Vision. Wie hatte es die Ministerin ausgedrückt? „Mit dem Quartier Nord wurde ein Ort geschaffen, der Kreativen und Kunstschaffenden optimale Arbeits- und Ausbildungsbedingungen bietet. Und es ist ein Ort der Begegnung.“

 

Was bei Ankunft auf dem Campus, noch draußen stehend, unmittelbar nicht ins Auge springt. Da dominiert der Eindruck eines unspektakulären, sich horizontal ausdehnenden Hauses mit einer matt silbrig glänzenden Hülle aus verzinktem Stahlblech, darin, in der vor- und zurückspringenden Gebäudearchitektur, vor allem die langen Fensterbänder Struktur und der Wahrnehmung Führung geben. Errichtet wurde der Neubau nach Plänen des 1. Preisträgers des bereits 2010 durchgeführten Architekturwettbewerbes, MGF Architekten aus Stuttgart. Umgesetzt hat`s die Dortmunder Bauunternehmung Freundlieb. Die im Besitz der RAG-Stiftung stehende Kreativ-Immobilie hat die Folkwang Universität der Künste angemietet., – zunächst mal für zwanzig Jahre. Rund 40 Millionen Euro stellte das Land NRW für Ersteinrichtung und Anmietung zur Verfügung. So viel zu den impressionanten Fakten.

Dabei aber bleibt es nicht. Auch im Inneren setzt sich Beeindruckendes fort. Was viel mit viel raumphilosophischer Funktionsorientierung und Architektursensibilität zu tun hat. Rund 19.000 Quadratmeter stehen im modern-sachlichen Style à la interpretierter Bauhaustradition in Anlehnung an die Kremmer-/Schupp-Zollvereinsarchitektur zur Verfügung. Aufgeteilt sind die immensen Quadratmeter in vier Gebäude-Kuben mit fließenden Raumgefügen. Was das Zeigen und Ausstellen von Artefakten auf den Fluren ermöglicht, das Miteinander und Quatschen im Dazwischen von Raum und Zeit sowieso. Man merkt am Ort: Austausch und Wir sollen zählen. Der Folkwang-Impuls lebt das Interdisziplinäre.

Bei diesem Stichwort wäre es dereinst an der Zeit in meine Erzählung erneut O-Ton einzubauen: „Das Welterbe Zollverein, die anliegenden Stadtteile und unser Neubau werden ein Laboratorium für künstlerische, transdisziplinäre und wissenschaftliche Experimente der Folkwang Universität der Künste sein… Der neue Ort wird die gesamte Hochschule verändern – und die Hochschule wird den Ort verändern. Wenn es uns gelingt, diesen Transfer als offenen Prozess mit allen AkteurInnen vor Ort gemeinsam zu gestalten, dürfen wir unbescheiden sagen, dass wir mit unseren vielen Partnerinnen und Partnern an einem Zukunftsprojekt arbeiten“ hat es Folkwang-Rektor Prof. Dr. Andreas Jacob gesagt.

90.000 Tonnen Bodenmaterial wurden dafür eingesetzt, 1,2  Millionen Kilogramm Stabstahl, 300.000 Kilogramm Mattenstahl, über 1000 Fenster in 15 unterschiedlichen Formaten, ca. 300 Innen- und Außentüren, 275 Kilometer Kabel und 13.500 Kubikmeter Beton verbaut.

Die Krönung im Reigen der Superlative: die zweigeschossigen Dunkelräume im Kubus 1 für den Studiengang Fotografie. Und die stützenfreie Treppe im Atrium aus geschlossenem Stahlblech, der Form nach, eine kühne Interpretation von Kohle-Förderbändern.

Ja, „Quartier Nord“ macht was her. Und dem Mutterhaus der Folkwang Uni im Essener Süden ganz schön Konkurrenz. Allerdings – auch das Hauptquartier in Werden hat mächtig Charme. Wo sonst schon kann man studieren in den barocken Gebäuden einer Benediktiner Abtei, deren Grundmauern bis auf das Jahr 799 n. Chr. zurückgehen?

Aaalso, – noch ein letztes Mal halte ich inne, um die Erfolgsgeschichte Welterbe Zollverein mit seinem taufrischen „Quartier Nord“ der Folkwang Universität der Künste aufs Publikum wirken zu lassen -, den kommenden Generationen ist eine olympische Fackel übergeben. Was künftig draus wird, hängt von sexy lebendiger Gestaltung ab: Folkwang ist…

 

QUELLEN:
TEXT: Claudia Posca
BILD: www.folkwang-uni.de