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Die Stipendiaten des Residenzprogramms „RuhrResidence“ stehen fest!

By September 14, 2018 No Comments

GO &
RETURN

Das Spektrum der Einreichungen reichte von Fotografie, Installation und Video über Malerei bis hin zu Grafik, Skulptur, Performance, Szenografie und Film. Vertreten waren damit eine Vielzahl aktueller künstlerischer Medien sowie interdisziplinäre Ansätze.

 

Die RuhrResidence besteht aus den Residenzformaten GO und RETURN:

GO widmet sich KünstlerInnen vor Ort: In Form eines Reisestipendiums in Höhe von 1400€ erhalten acht Ruhrgebiets-KünstlerInnen die Möglichkeit, in ein für ihre individuelle künstlerische Weiterentwicklung relevantes Land zu reisen.

RETURN führt KünstlerInnen, die außerhalb des Ruhrgebiets leben und arbeiten, in die Region: Während einer bis zu zweimonatigen Research-Phase erhalten sie die Möglichkeit, Konzepte und Fragestellungen für neue künstlerische Arbeiten zu entwickeln. Nach Dortmund, Essen und Bochum ist in diesem Jahr Recklinghausen Residenzort der zukünftig weiterhin durch das gesamte Ruhrgebiet wandernden RuhrResidence.

 

 

 

v.l.n.r.. Kristin Trüb, Kristin Wenzel, Vienne Chan, Daniela Risch, Tania Reinicke, Jan Lemitz, Marian Mayland, Maximilian Schneider, Viviane Lennert
Foto: Roland Baege

 

 

 

Die Projekte der RuhrResidentInnen 2018:

GO

Vienne Chan / www.viennechan.info
Duisburg Kroatien – ZagrebVienne Chan (*1980 in Hong Kong) interessiert sich in ihren multimedialen Arbeiten für die wachsende, zu sozialen Ungerechtigkeiten und zu polarisierenden politischen Trends führende finanzielle Ungleichheit. In Vorbereitung einer Ausstellung im März 2019 reist sie nach Zagreb, um gemeinsam mit Einheimischen einen Mini-Hackathon zu entwickeln, der sich mit der Lösung sozioökonomischer Probleme mithilfe eines Modells, das mit einem Gemeinschaftskapitalfonds vergleichbar ist widmet.

Jan Lemitz
Duisburg Südkorea – Seoul

In seiner fotografischen Praxis beschäftigt sich Jan Lemitz (*1971 in Düsseldorf) mit medialen Tumulten bildreicher Sichtbarkeit von Flucht und Migration der Gegenwart sowie deren Bild-Spuren in räumlicher, zeitlicher und inhaltlicher Tiefe. Zwischen Calais, Incheon, Tijuana, Seoul und Duisburg beobachtet er die Auswirkungen der greifbaren Nähe und Präsenz von Grenzen, die beschleunigte massive Entwicklung industrieller Produktionsstätten, geopolitische Transformationen, (kriegsbedingte) territoriale Veränderungen und die daraus resultierenden stadträumlichen Veränderungen.

Viviane Lennert
Bochum Marokko – Marrakesch

Viviane Lennerts (*1993, lebt in Bochum) multimediale Arbeiten sind beeinflusst von Fragestellungen szenischer Forschung. Für die RuhrResidence unternimmt sie eine Reise in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. 1999 sollte im Rahmen des Stadtprojekts „Bochum Innenstadt-West“ nach einer Idee des Universalkünstlers André Heller der magische Park ANIMA entstehen. Umgesetzt wurde der Plan bis heute – zumindest in Bochum – nicht. Stattdessen steht der multisensorisch angelegte Freizeitpark seit 2016 in Marrakesch. Als Vorbereitung einer für 2019 in Bochum geplanten holografischen Inszenierung reist Lennert in dieses verpasste Paradies.

Marian Mayland / www.marianmayland.de
Bochum Deutschland – Hamburg

In seinen filmischen Arbeiten widmet sich Marian Mayland (*1988 in Bocholt) den unterschiedlichen Ausprägungen von Vererbung. Die RuhrResidence führt ihn zurück an seinen letzten Wohnort im Hamburger Stadtteil Horn. Bekannt durch die Redensart „Billstedt, Hamm und Horn schuf der liebe Gott im Zorn“ wandelte sich das kriegszerstörte Villenviertel zur Arbeitersiedlung, deren günstige Mieten seit einiger Zeit Studierende und Kreative anlockt. Weiterhin gilt Horn jedoch als einer der ärmsten Stadtteile Hamburgs. Die Spurensuche vor Ort führt Mayland weg von den gängigen Klischees hin zu einer mitunter biographisch inspirierten Auseinandersetzung mit Blumengeschäften sowie der Pflanzen am Wegesrand.

Tania Reinicke / www.taniareinicke.de
Gelsenkirchen China – Shenzhen

An der Schnittstelle von Fotografie und medialer Installation untersucht Tania Reinicke (*1976, lebt in Gelsenkirchen) die Beziehung zwischen Bildraum und Vorstellungsraum des Betrachters. Die intensive Beschäftigung mit der Frage nach dem Spannungsverhältnis von Architektur, Mensch und Raum führt sie zum Bild der Stadt von morgen und der Frage, welche Zeichen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft visuell ablesbar sind? Ihre Feldforschung beginnt in einer Stadt, die sich innerhalb von dreißig Jahren vom Dorf zur Megacity entwickelt hat: Das chinesische Shenzhen gilt als Werkstatt für die Zukunft.

Maximilian Schneider / www.maximilianschneider.info
Essen Europa

Maximilian Schneider (*1991 in Essen) schafft raumbezogene Installationen und Skulpturen. Als Teil einer Generation, die mit der europäischen Idee von dezentralisierten und grenzenlosen Staaten aufgewachsen ist, ist angesichts aktueller politischer Tendenzen das Gefühl der Krise stärker denn je. Mit dem Bewusstsein der Fragilität der als sicher geglaubten Errungenschaften begibt sich Schneider auf eine noch unbestimmte Reise durch Europa.

Kristin Trüb / www.kristintrueb.de
Dortmund USA – Texas

Multimediakünstlerin Kristin Trüb (*1986 in Hagenow) interessiert sich für persönliche Geschichten rund um die Themen Identifikation, Sozialisation und Migration. Sie arbeitet crossmedial mit Fotografie, Film und Sound. Im Rahmen der Ruhr Residence untersucht Trüb am Beispiel der Texasdeutschen den Kulturbegriff. Ihre Aufmerksamkeit richtet sie auf Klischees, nostalgische Überbleibsel und vor allem der Entwicklung der Sprache – einem einzigartigen Mischdialekt, der langsam ausstirbt.

Daniela Risch / www.filiale43.de
Essen Belgien – Brüssel

Medienreflexiv beschäftigt sich Daniela Risch in ihren fotografischen Arbeiten mit dem Wirklichkeitsversprechen der Fotografie und thematisiert, wie digitale Prozesse die physische Wirklichkeit regieren. Brüssel – mit seinem Nebeneinander von Monarchie, Demokratie, der Verwaltung des Europäischen Gedankens sowie global agierenden Konzernen – dient Risch als Modell der Untersuchung von Macht. Überwachungskameras auswertend fragte sie: Wer bestimmt dieses Bild der Stadt? Die Fotografin, die Bevölkerung, Stadtplaner oder die Architekten?

RETURN

Kristin Wenzel / www.kristinwenzel.com
Bukarest RecklinghausenDie künstlerische Praxis von Kristin Wenzel (*1983 in Gotha, lebt und arbeitet in Bukarest) verlagerte sich in den letzten Jahren immer mehr in den öffentlichen Raum. Mit Installationen, Skulpturen und Interventionen erörtert sie die Stadt als Erfahrungsraum und Architektur als Erinnerungsort. In dem von ihr in Bukarest gegründeten Ausstellungsprojekt Template lädt sie internationale Künstler ein, leerstehende architektonische Strukturen temporär zu bespielen. Weg von den dortigen Kleinstarchitekturen des sozialistischen Modernismus richtet sie in Recklinghausen ihren Blick hin zur Nachkriegsarchitektur im Ruhrgebiet. Dank der Initiative Big Beautiful Buildings erhält diese aktuell eine neue Aufmerksamkeit und Anerkennung, woran Wenzel anknüpfen möchte.