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Arnessa Sismann

By November 15, 2021November 28th, 2021Clubbesitzer, Essen
Arnessa Sisman
Traumgebiet

Stahl, Beton, Techno

In Essen, ein paar Laufminuten vom Rüttenscheider Stern entfernt, befindet sich ein Club der ganz besonderen Art: 1,40 Meter dick sind die Stahlbeton-Wände des Goethebunkers, der nun seit mehr als 5 Jahren für die Essener Nachtschwärmer eine wohl bekannte Adresse ist. Seit über einem halben Jahr liegt die Verantwortung für dieses alte Nachkriegsmonument bei Arnessa Sisman, einer jungen Essenerin, die schon lange vor ihrer Übernahme des Goethebunkers hinter dessen Tresen stand. Und sie hat eine Menge getan, um ihren Bunker in einem zeitlosen Glanz erstrahlen zu lassen. Eine Erfolgsgeschichte mit Schildkröteneiern, Horrorfilm-Ambiente und einer Frau, die gerne Pferde sägt.
Was waren Deine Vorstellungen und Träume, als Du den Bunker übernommen hast?
Ich glaube es gab nicht wirklich die Zeit, um irgendwelche Vorstellungen oder Träume zu haben. Es kam von heute auf morgen, ich musste mich um so vieles kümmern, teilweise habe ich mich wie Asterix gefühlt. Ständig von A nach B rennen, Konzessionen mussten eingeholt, seitenlange Formulare bearbeitet werden. Streichen, alte Fliesen kaputt machen und neue Fliesen verlegen. Das Kaputtmachen hat sehr Spaß gemacht, da konnte ich den ganzen anfallenden Stress ein wenig entladen. Den Putz von den Wänden zu hauen hat eine ganze Woche meines Lebens gekostet und mir nebenbei noch eine Menge Muckis beschert.
Was kann man als Besucher des Goethebunkers erwarten?
Das ist eine schwierige Frage, ich selbst habe mit gar nichts gerechnet, als ich vor vielen Jahren das erste Mal selbst im Bunker war. Es ist definitiv all die Jahre mein Lieblingsladen geblieben, egal wo ich unterwegs war und bin letztendlich immer wieder zum Bunker zurückgekehrt. Ich mag die Leute, die Stammkundschaft und den Laden an sich.
Was ist das für ein Gefühl, wenn Du Deinen Laden aufschließt und das Licht anmachst?
Es kommt auf die Uhrzeit an. Abends ist es manchmal ein bisschen unheimlich, das mag auch definitiv mit der Geschichte zusammenhängen. In der oberen Etage finden sich noch die alten Kommunikationskabinen und der Flur erinnert wirklich original an die Hotelgänge von Stanley Kubricks "Shining".
Gibt es etwas, dass Du anderen Jungunternehmern ans Herz legen würdest?
Nicht zuviel überlegen! Sonst macht man es nicht. Ich bin froh, dass das alles von heute auf morgen passiert ist, sonst hätte ich mich vielleicht gar nicht bereit dafür gefühlt.
Du arbeitest viel bei Nacht. Vermisst Du den Tag?
Ich wusste schon immer, dass ich niemals einen Job haben werde, bei dem ich morgens um acht im Büro sein muss und um fünf Uhr nachmittags Feierabend mache. Es war mir immer wichtig, auch Zeit für die Sachen zu haben, die ich wirklich gerne mache, zum Beispiel nähen und fotografieren. Und selbst wenn ich nur zuhause sitze und an einer Collage bastle ist mir das lieber als ein klassischer Bürojob. Jetzt im Winter vermisse ich den Tag natürlich, selbst das wenige Licht sehe ich momentan eher weniger.
Gibt es im Zusammenhang mit dem Bunker und Deinem Geschäft etwas, worauf Du besonders stolz bist?
Ein Stammkunde hat zu mir gesagt: "Arnesa, Du hast es genau richtig gemacht. Du hast das Gute des Bunkers bewahrt und verbessert, was noch verbesserungswürdig war." Da war ich wirklich stolz! Es sind die Kleinigkeiten, die mir ein gutes Gefühl geben, zum Beispiel wenn ich vor einer Wand stehe und mir sagen kann: "Diese Wand habe ich ganz alleine gestrichen." Und natürlich das Pferd, unsere Projektionsleinwand, die wir mit einer Stichsäge und einigen Mühen selbst ausgeschnitten haben.
Was bewegt Dein Leben privat und was musste seit dem Bunker dafür auf der Strecke bleiben?
Ich mache viel im kreativen Bereich, zum Glück alles Dinge, die ich mir sehr gut frei einteilen kann. Aber ich hätte wirklich gerne mehr Zeit, zum Beispiel für mein Patenkind oder auch zum Reisen.
Wovon träumt eine Arnesa Siman jetzt?
Von Schildkröten. Ich wollte schon immer bei einer Organisation mitwirken, die Schildkröten hilft und ihre Eier an sicheren Stränden einbuddelt. Schildkröten mochte ich irgendwie schon immer. Wenn die keine Lust mehr haben, ziehen die sich einfach in ihren Panzer zurück.
Fotos: Alexandre Kurek
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